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Reisebericht von Minik(Teil 1.) und Malte(Teil 2.)
die ersten zwei Wochen aus der Sicht des einjährigen Miniks
Estland
ist echt eine Reise wert! Diesmal ging`s mit dem Flieger los. Ab Berlin
bis
Tallin. Die 1,5 Stunden Fliegerei waren mir ziemlich
wurscht. Bin
auf Mamas Schoß eingeschlafen und schon waren wir da... Diesmal hatte
ich zwei Spielkameraden mit: Malte- genauso alt wie ich und
sein Bruder
Finn- drei Jahre alt. Ihre Eltern Jakob und Anita- die
Maerckers- waren
auch dabei. Easyjet hatte einen Gepäcksack verbummelt, wo
das Zelt,
Schlafsäcke und Klamotten für Mama Maercker und von Finn
drin waren.
Ein schöner Auftakt und Finn hatte Fieber... Ich
habe dem geschäftigen Treiben auf dem Flughafen zugesehen und
die Großen
haben alle Fahrräder und die zwei Kinderanhänger aufgebaut.
Ich hatte
einen für mich. Und meine zwei Kollegen waren zusammen in einem.
Dann
ging`s los! Familie
Maercker hatte kein Zelt und so sind wir die erste Nacht
gezwungenermaßen
ins Hotel der estnisch/russischen Art. Es war
eigentlich übertrieben
gesagt nur ein dunkler "Verschlag". Wir waren froh, daß früh`s
noch alle Räder und Anhänger da waren... Der Gepäcksack
kam natürlich
nicht am nächsten Tag mit und so mußten nun doch die
nötigsten Sachen
nachgekauft werden.... Dafür
hatten wir aber einen herrlichen zweiten Platz zum
Schlafen. Diesmal
im Zelt, wie es gedacht war. Sogar mit eigenem Häuschen
zum Kochen
und Waschen und ein See mit Steg inklusive. So schön, daß wir dort
gleich einen Ruhetag gemacht haben. Finni ging`s inzwischen
auch wieder
gut. Er hat als kleines Gastgeschenk ordentlich ins
Hotel gebrochen
und am nächsten Tag wurde es besser. Das Gras vom
Zeltplatz wurde
von Schafen kurz gehalten, die ich gerne beobachtete und bei
denen ich
gleich mein "mäh" üben konnte. Einmal
auch, als Mama zu Papa beim Nudelabendbrot sagte "Gib Deins
nicht dem
Sohni, das ist zu schaf"
sagte ich "mäh!".
Wir
Kinder waren immer auf dem Boden unterwegs und haben uns neben
den Fahrrädern
und unseren Hängern an denen wir pausenlos
herumgeklettert sind
u.a. auch für die herumliegende "Schafs-a-a" interessiert.... An Tieren
gab es in Estland eigentlich nur das mir bekannte Sortiment
zu sehen:
Pferdchen, Kühe, Hunde ("Wau-wau" sagen kann ich jetzt
auch), Schafe,
Hühner, Katzen, Mücken und "Ame" = Ameisen. Wir
sind dann ins Ländlichere gefahren. Dort sah es zunehmend
noch russischer
aus. Nach einem übel aussehenden Knast, kam ein "Klostri jögi"
an dem wir Rast gemacht haben. Dort war`s
schön. Eine riesige noch sehr
gut erhaltene Klosteranlage mit 1000 Irrwegen runter und hoch
mit Wendeltreppen,
Kirche, Gewölbe und Brunnen. Echt schön da! Finn hat mit seiner
gelben Flöte gleich ein Konzert in dem Kirchenrest gegeben.

Am
Tag sind wir in Estland so zwischen 30 und 60 km gefahren.
Früh`s Zelte
abbauen, durch die Gegend radeln, Dinge besichtigen, lecker
essen, dann
abends nen Zeltplatz suchen, schnattern am Lagerfeuer,
Ruhetage- einfach
schön. Das Land hat auch für alle Radfahrer einen Vorteil-
es ist
flach! :-)
Wir
haben also keinen Streß gemacht. Urlaub
eben.
Für
alle, die auch mal nach Estland wollen: Die Leute dort sind
sehr nett,
zurückhaltend, hilfsbereit und sie singen gerne abends am
Lagerfeuer.
Man kann alles kaufen wie bei uns und es kostet weniger. ( z.B. Essen
etwas weniger als hier, Zeltplatz manchmal nur 3€,
die Busfahrt 5
Stunden inkl. Fähre 6 €! usw. ) So russisch wie die Läden auf
dem Lande
sind, so sind die Supermärkte in den Großstädten gigantisch
groß und
modern. Übrigens die meisten jungen Frauen laufen rum wie
"Estlands
next Topmodel". Alle ganz schön chique. Und in der Pampa ist
es, wie
gesagt, alles etwas hinterwelterisch und die Straßen manchmal
nicht
asphaltiert. Aber sehr symphatisch. Trotzdem stehen
oft neugebaute
tolle Häuser in besonders schöner Lage, z.B. am Meer... Eine
alte
Mutsch mit Kopftuch haben wir aus dem Wald kommen sehen mit 3,
5-Liter-Eimer voll Blaubeeren, die sie auf Ihrem alten
Fahrrad
balancierte. Sehr fleißig.
Wir sind dann weiter durch viel Wald, durch schöne urige Dörfer, halb verlassen so im Nirgends... Alte Scheunen, alte Milchkannenhochstände für den LKW zum Auf- und Abladen. Unsere nächste Bleibe war im Naturschutzgebiet. Dort waren für die Esten und Touris angelegte Feuerstellen und Holzunterstände, die auch gut genutzt wurden. Den Unterstand konnten wir auch gut gebrauchen, denn dort hat es lange geregnet. Die tollen Männer haben dann trotzdem ein Feuer in Gang gekriegt und es gab Gegrilltes, aber nicht für mich. Blaubeeren haben auch immer in unseren Speiseplan gehört. Allerdings wollte ich davon nichts wissen. Ich hab mal eine aus Versehen mit runtergeschluckt, aber sonst hab ich sie mit meinem Vergiftungsgesicht wieder aus dem Mund gepuhlt. Malte dagegen hätte sich auch nur davon ernähren können. Eine Blaubeergusche! Alles lila. Es gab auch noch angepriesene "sogenannten "leckeren Himbeeren und Erdbeeren" im Wald, was mich allerdings genauso wenig beeindruckte. Bei Regen bekamen wir unsere Regenmontur an und haben einfach weitergespielt. Wir sahen eh aus wie die Ferkel.

Ja,
dann kam schon der Tag vor meinem Geburtstag. Mama wurde
ganz leise, weil sie an alles denken mußte, was so vor einem
Jahr
gerade war. Damals am 26.7. hat sie nachmittags um 5 so ein
total
widerliches Rhizinuscocktail getrunken, weil ich ja schon 10
Tage
zu lange im Bauch war und raus sollte. Mitternacht ging es
dann
los und ich machte mich auf die Reise. Am 27.7. um 18.38 Uhr
war
ich dann endlich geboren und wie es mir dann ging, wißt ihr ja
noch aus meinem ersten Brief. Jetzt bin ich also schon 1 Jahr
alt
und schon sooooooooooo groß! (Ich reiße gerade beide Arme
hoch,
seht Ihr??) Wir waren vor meinem Geburtstag in so einem tollen
Laden, wo wahnsinnig viele "attas" (Autos) standen. Ich bin
vor
dem Riesenregal fast aus dem Einkaufskorb vorn rausgehüpft,
habe
"aaaaatta" "aaaatta" gerufen und habe so doll "bitte-bitte"
gemacht, bis meine Händchen ganz warm waren! Finn und Malte
hatten
nämlich einen Bagger mit und ich habe so gerne damit gespielt,
daß
meine Eltern wußten, wie sie mir eine große Freude machen
konnten.
Sogar die Esten haben sich über meinen international verständlich
gemachten Wunsch, so ein buntes Plasteding ( um genau zu sein:
einen FRONTLADER (Anmerkung Papa))haben zu wollen, amüsiert.
Ich war selig. Jetzt hatte ich auch einen! (Auch zu Hause bin
ich
so froh, wenn ich mal auf dem Traktor oder in Papa`s ansonsten
sinnlos dastehenden Feuerwehr sitzen darf. Ich habe den Fabel
für
Autos wohl in direkter Vererbung mitbekommen....)
Dann
war
er nun da mein Geburtstag. Mama und Papa haben sich an
alles erinnert mit allem drum und dran.... Es kam einfach so
hoch
nochmal. Für mich war es weniger dramatisch, sondern einfach
nur
klasse, denn ich bekam also diesen Radlader und als
allererstes
früh`s ein halbnackiges Ständchen von Finn, der gerade
aufgestanden war. Noch eine Kerze und eine Blume, ein
Geburtstagslied von allen und Sandspielzeug von Fam. Maercker.
Und
ein T-Shirt mit den wichtigsten Tieren in Estnisch. Die Torte
gab`s dann später auf der Fähre, auch besonders für meinen
Freund
Malte, mit dem ich gemeinsam 1. Geburtstag feierte, denn wir
sind
nur 6 Tage auseinander. Mmmh! Lecker Torte! Meine Eltern
hatten
wahrscheinlich nur für mich ein Schiff zur Kindergeburtstagsfeier
engagiert, die uns auf eine Insel brachte. Es wurde im
Bällchenbad
und mit dem ganzen Spielzeug rumgetobt, bis wir drüben waren.
Abends hatten wir einen Zeltplatz ganz in der Nähe vom Meer,
mit
Riesenschauckel für ganz viele Menschen zum Bauchkribbeln, mit
Sandkasten und Feuerstelle. Schauckeln mag ich sowieso
total! Abends gab`s sogar noch Luftballons zum Spielen und
dann
Lagerfeuer. (Nebenan waren übrigens zwei Radler aus Jena!) Ein
schöner Tag ging zu Ende! Ich glaub, meine Eltern waren an
diesem
Tag ganz besonders glücklich über mich und mit mir.
Auf
der Insel (Hiiumaa) war es auch sehr schön. Sie hatte ein bißchen was
von Hiddensee. Bloß einsamer. Lange Strände, schöne Häuschen,
kleine Straßen, viel Wald mit Massen an Monsterblaubeeren und
auch
ein paar Pilzen. Malte und ich sahen aus wie die Waldkobolte,
wenn
uns unsere Mamas beim Sammeln einfach so mit in die Blaubeeren
gesetzt haben. Wir sind auf einen sehr schönen Zeltplatz dann
längere Zeit geblieben. Das Meer vor der Nase mit
phantastischen
Sonnenuntergängen manchmal abends, Sauna, Dusche (war mal
wieder
nötig), einen Pavillon, den wir gut gebrauchen konnten,
Feuerstelle, ein Volleyballfeld, einen See mit Ruderboot,
Sandkasten, ein Drauf-sitz-auto der Kinder dort... Was
will man
mehr... Die Sauna haben wir Kinder auch einmal ausprobiert.
Mannomann war das schwitzig da drin, aber ich habe gut
durchgehalten. Von diesem Zeltplatz aus haben wir Tagesausflügchen
gemacht. Einmal zu einem Leuchtturm und zu einem Denkmal an
die
1994 gesunkene "Estonia", dann zu einem Bauernhofmuseum mit
Holzpferdchen zum drauf-Reiten. Das Wetter war gemischt. Wir
hatten dort auch mal Dauerregen 24 Stunden.... Aber nach Regen
kommt wieder Sonnenschein und so war es dann auch. Wir waren
vorne
am Strand allemann. Buddeln und einmal war ich sogar Baden mit
Papa. Brrrr --war das kalt. Am nächsten Tag haben Mama, Papa
und
ich eine schöne Strandwanderung gemacht. Erst hab ich auf
Mamas
Rücken geschlafen und dann mit den Beiden nach
besonderen Steinen
gekuckt und mich über das große Wasser gefreut. Nur
zum Reingehen
war`s zu frisch.
Musikalisch
war es übrigens auch im Urlaub. Finn und Malte hatten
eine gelbe
Plasteflöte und eine Mundharmonika mit, die von uns
dreien ausprobiert, mit Dreck verziert und angelutscht wurden.
Es
kamen trotzdem sogar noch annehmbare Töne raus. Ich kann aber
auch
auf der Hülle meines Fieberthermometers pfeifen. Gut, ge? Aber
mein Fieber kam später. Im richtigen Leben tute ich
auch
gerne auf Gießkannen herum zusammen mit meinen Freunden Malin,
Emma und Gabriel. Das Schlafen im Zelt war für mich kein
Problem.
Ich war auch knülle nach dem ganzen Reisen, Spielen und Toben
tagsüber. Nach dem allabendlichen Nudelessen, habe ich noch
gerne
mit der Taschenlampe herumexperimentiert und gestaunt, wo der
Schein herkommt und hingeht. Dann hat mich mein Schlafohr
verraten, es gab noch ein Gute-Nacht-Lied und schon war ich im
Schlummerland. Einmal nachts wollte ich meistens eine Bulli
und
schon gab`s wieder Frühstück.
Nach den Tagen auf diesem schönen Zeltplatz trennten sich unsere Wege. Wir mußten nach nun 2 Wochen zurück wegen meinem Termin in Leipzig und mein Papa wieder an die Arbeit. Wir haben Maerckers Tschüß gesagt und sind von da mit dem Bus zurück nach Tallinn. Haben nochmal eine Nacht in der Großstadt übernachtet in einer übelsten Absteige. Draußen stand "Bed & Breakfast" dran und als wir dann drin waren und bezahlt hatten, hieß es "Breakfast is not included." Nett. An dem Abend habe ich dann Fieber bekommen. Am nächsten Tag sind wir bei Zeiten auf den Flughafen, Räder und Anhänger auseinander schrauben und verpacken. Als wir dann eingecheckt hatten, wurde angezeigt: 3 Stunden Verspätung. Und ich hatte Fieber... Ich habe viel geschlafen zum Glück und mit Fieberzäpfchen ging`s dann. Haben in Berlin bei Freunden von uns übernachtet, weil wir dann so spät da waren und nun sind wir wieder zu Hause. Mein Fieber ist jetzt weg und ein neuer Zahn dafür da, aber wir konnten dadurch nicht nach Leipzig, weil man fit sein muß zur Narkose. Also haben wir einen neuen Termin Ende September. Dann geht`s wieder los. Nachkucken was mein "Pflaumenkern"-Rest so macht. Es war also sehr sehr schön da oben und wir haben ganz viel erlebt! Ich war zusammen mit Malte wie A-Hörnchen und B-Hörnchen. Es war immer jemand zum Spielen da und wir hatten so viel Freiheit beim Rumkriechen, Kosten, Ausprobieren und Erkunden auf dem Boden. Das war klasse für uns... Ja- Ihr Lieben. So war das alles im Urlaub!
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